• Der Herzschlag Europas muss in den Regionen pulsieren

DISTRICT Mödling Magazine traf, den in Perchtoldsdorf lebenden, Landesrat Dr. Martin Eichtinger zum Interview. Dabei sprachen wir über seine neuen politischen Aufgaben, seine Zeit als Diplomat in London und die Herausforderungen des Landes im europäischen Kontext.

Sie haben Anfang des Jahres noch in London gelebt. Jetzt in Perchtoldsdorf. War die Umstellung schwer?

Eichtinger: Eigentlich nicht. Wenn man im Ausland arbeitet und häufig unterwegs ist, erkennt man, wie schön es zuhause ist, und freut sich natürlich auch darauf, wieder in Österreich arbeiten zu können. Wir haben von Kultur über Kulinarik bis hin zu wunderschöner Natur alles vor der Haustür. Perchtoldsdorf ist eines von vielen Beispielen, das uns zeigt, wie lebenswert unser Niederösterreich ist.

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Was haben Diplomatie und Politik gemeinsam?

Eichtinger: Diplomatie und Politik haben viel gemeinsam. Im Vordergrund steht der direkte Kontakt mit den Menschen. Als Botschafter tritt man genauso für die Interessen und Anliegen der Menschen oder des Heimatlandes ein wie es Politiker für ihre Landsleute machen. Jetzt habe ich die Möglichkeit, selbst in der ersten Reihe zu stehen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv einen Beitrag zur Gestaltung Niederösterreichs beizutragen.

An welchen Moment erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Eichtinger: Absolutes Highlight für mich war definitiv meine Zeit bei Alois Mock, in den vier wahrscheinlich spannendsten Jahren, die er als Vizekanzler und Außenminister im Einsatz war – da waren der Fall des Eisernen Vorhangs, Österreichs EU Beitritts-Antrag, die große Jugoslawienkrise, die Streitbeilegung mit Südtirol. Ich hatte dann auch das Privileg, neben ihm an der ungarischen Grenze zu stehen, als er den Eisernen Vorhang durchgeschnitten hat. Man erkennt mich sogar auf dem historischen Foto hinter Alois Mock.

Als Landesrat sind sie zuständig für Wohnbau, Arbeit und für internationale Beziehungen. Wie sieht die Zukunft am Arbeitsmarkt aus, vor allem für junge Menschen?

Eichtinger: Bei der jetzigen Konjunktur ist es schön, dass unsere Arbeitslosigkeit so stark zurückgeht und die Beschäftigung steigt. Aber wir müssen natürlich immer einzelne Programme optimieren, um jetzt in der guten Konjunktur die Arbeitslosigkeit noch weiter senken können. Jungen Menschen wollen wir ganz gezielt dabei helfen, eine fundierte Ausbildung zu bekommen. Mit 1. Jänner 2019 starten wir im Rahmen unserer Ausbildungsgarantie bis 25 Jahren die größte Lehrlingsoffensive gemeinsam mit dem AMS NÖ, die es jemals in Niederösterreich gegeben hat. Insgesamt werden dafür 46 Millionen Euro in die Hand genommen. Jeder Jugendliche bis 25 bekommt somit bei uns einen Lehrplatz oder eine Ausbildung, um später einen Job zu finden. Unser Ziel ist es, Menschen zum Ausbildungsabschluss zu bringen, gegen den Fachkräftemangel vorzugehen und nachhaltige Qualifikationen für Arbeitssuchende zu schaffen. Mit spezifischen Programmen sorgen wir auch dafür, dass Langzeitbeschäftigungslose und ältere Jobsuchende, unterstützt werden.

Wieviel Internationalität steckt in Niederösterreich und wie spürbar ist die EU für unsere Landsleute?

Im internationalen Bereich legte schon Alt-Landeshauptmann Pröll und jetzt auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner großen Wert darauf, dass Niederösterreich sich über die Grenzen hinweg entfaltet. Das zeigt sich unter anderem in dem enormen Kulturangebot sowie bei den medizinischen und wissenschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre. Niederösterreich war immer offen, proeuropäisch und international. Das soll auch so bleiben. Es ist wichtig, dass unsere Bürgerinnen und Bürger verstehen, was die EU in ihrem Umfeld geleistet hat. Die EU finanziert tausende Projekte mit Milliarden an Förderungen in allen Regionen Europas, kommuniziert dies aber oftmals nicht gut genug. 2017 sind fast 500 Millionen Euro nach NÖ geflossen. Damit trägt die Union massiv zu einem reibungslosen Alltag von uns allen bei, denn wir zahlen 1 Euro ins EU-Budget und holen 3 Euro nach NÖ zurück. Wenn man die Skepsis gegenüber der EU ernsthaft zurückdrängen möchte, dann muss auch die Kommunikation seitens der EU effizienter und intensiver erfolgen.

Wie wollen Sie Europa in Niederösterreich noch mehr verankern?

Mir ist vor allem wichtig, das Bewusstsein für ein gemeinsames Europa in Niederösterreich zu stärken. Der Herzschlag Europas muss in den Regionen pulsieren. Mein Auftrag ist es, Niederösterreichs internationales Netzwerk noch dichter zu spannen. Ein Schritt wird sein, das Europa-Forum Wachau ab 2019 noch stärker zu internationalisieren und die Menschen einzubinden. Dazu haben wir die Europa-Forum Wachau Salons ins Leben gerufen, an denen jeder teilnehmen kann. Insgesamt finden sechs Veranstaltungen im Vorfeld statt, bei denen Entscheidungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu unterschiedlichen Themen mit einer Handy-Online-Voting-Software getroffen werden. Diese Entscheidungen fließen dann ins Europa-Forum Wachau im Juni 2019 ein, wo internationale Top-Speaker über aktuelle weltpolitische Trends diskutieren werden. Der zweite Salon ist am 21. Jänner in Perchtoldsdorf zum Thema „Brexit – Wohin geht Europa als EU-27?“

Sie sind auch für das Wohnen in Niederösterreich zuständig. Wie sieht die Zukunft des Wohnbaus aus?

Eichtinger: Mein Ziel ist es, dass alle Generationen in NÖ gut, sicher und leistbar wohnen können. Das heißt, wir wollen auf jeden Fall den geförderten Wohnbau fortführen. Mittlerweile stehen in 9 von 10 Gemeinden geförderte Wohnungen des Landes Niederösterreich. Die Wohnbauförderung ist ein Jobmotor in unserem Bundesland. Sie sichert in Niederösterreich über 30.000 Arbeitsplätze und löst im Jahr rund 1,8 Milliarden Euro an Investitionskosten in der heimischen Wirtschaft aus. Niederösterreich ist sehr attraktiv, unsere Wohnungen sind gefragt. Wer eine schöne Wohnung im lebenswerten NÖ zu einem günstigen Preis haben möchte, findet im Land Niederösterreich den richtigen Ansprechpartner. Einfach ‚NÖ Wohnservice‘ googlen, dort finden sie alle freien Wohnungen in ganz NÖ.

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